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Vor zehn Jahren erschien mit „Silent Hill“ ein Survival-Horrorspiel, das es atmosphärisch problemlos mit „Resident Evil“ aufnehmen konnte. Mehrere Fortsetzungen folgten, doch im Grunde konnten es nur der zweite und dritte Teil sowie das „Origins“ – Prequel mit dem Erstling aufnehmen – bis jetzt. In den USA steht ab sofort mit „Silent Hill: Shattered Memories“ eine Neuinterpretation des ersten „Silent Hill“ für die Wii in den Läden – wer keine US-Wii hat, muss leider noch bis Anfang 2010 warten. Das Wort „Neuinterpretation“ habe ich keineswegs zufällig, sondern mit voller Absicht gewählt: „Silent Hill: Shattered Memories“ ist nicht irgendein Remake, das nur über eine verbesserte Grafik und eine angepasste Steuerung verfügt. Harry Mason sucht zwar nach wie vor in der titelgebenden Stadt seine erst sieben Jahre alte Tochter Cheryl, doch alles andere ist neu. Da wären zum Beispiel die eingestreuten Gespräche mit einem Psychiater, die Harry führen muss. In diesen könnt ihr unterschiedliche Antworten geben und so maßgeblich mitbestimmen, was euch in Silent Hill widerfährt. So trefft ihr mal auf freundliche, mal auf weniger freundliche Charaktere. Außerdem ist die Art der Monster von eurem Verhalten in den Gesprächen abhängig.
Auf Monster trefft ihr in „Silent Hill: Shattered Memories“ im Übrigen nur in Harrys Alpträumen. War es im Ur- „Silent Hill“ noch so, dass Sirenen den Wechsel in die Höllendimension ankündigten und kurz darauf die Welt um euch herum zerfiel, baut sich in „Silent Hill: Shattered Memories“ plötzlich und unerwartet von Zeit zu Zeit eine Hölle aus Eis um euch herum auf – und die Monster hängen sich alsbald an eure Fersen. Ihr könnt nicht gegen sie kämpfen, Schlag- oder Schusswaffen bekommt ihr während des gesamten Abenteuers nicht in eure Hände. Ihr könnt nur vor den Dämonen davonlaufen und hoffen, dass ihr in keiner Sackgasse landet. Denn wenn euch die Monster erwischen, fängt der Alptraum wieder von vorne an. Die Alpträume sind die Momente, in denen das Spiel schneller wird. Die restliche Zeit setzt „Silent Hill: Shattered Memories“ voll und ganz auf eine gruselige Atmosphäre sowie Stille. Ihr trefft durchaus auf andere Charaktere, doch die meiste Zeit über schleicht ihr nur mit einer Taschenlampe und einem Foto-Handy „bewaffnet“ durch die Straßen und Gebäude der Stadt. Fast überall ist der Strom ausgefallen und so ist die Taschenlampe euer bester Freund. Dank Echtzeit-Schatten und Situationen, in denen ihr euch sicher seid, dass da doch irgendetwas gewesen sein muss, steht ihr permanent unter Spannung.
„Silent Hill: Shattered Memories“ ist kein Horrorspiel, aber stets spannend und stellenweise auch gruselig. Doch sind es nicht nur die visuellen Eindrücke, die für eine starke Atmosphäre sorgen: Der Soundtrack von Akira Yamaoka ist wie immer extrem packend und unterstreicht jede Situation optimal. Yamaoka ist einfach ein Meister seines Fachs, nur wenige andere Menschen auf dieser Welt verstehen es, ein Spiel so superb zu vertonen. Wenn ihr mal nicht einfach nur den Musikstücken lauscht oder vor Monstern davon lauft, löst ihr simple Aufgaben oder spürt mit eurem Handy übersinnliche Mächte auf. Regelmäßig erhaltet ihr dabei durch Nachrichten neue Einblicke in die Welt des Spiels – nicht wenige bringen die eigene Phantasie auf Touren. Die allermeisten Aktionen steuert ihr über Bewegungen der Wiimote, was stets gut funktioniert. „Silent Hill: Shattered Memories“ lässt sich sehr komfortabel spielen, die Gesten wirken niemals aufgesetzt. Es ist wirklich schade, dass dieses Spielvergnügen nach acht oder neun Stunden schon wieder vorüber ist. Die unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten beim Psychiater laden zwar zu mehreren Spieldurchgängen ein, doch ist der erste auf jeden Fall der beste, weil intensivste.
Grafisch ist „Silent Hill: Shattered Memories“ für Wii-Verhältnisse top – lasst euch von den Screenshots nicht täuschen! Klar, es gibt hübschere Spiele für die Wii, doch nur wenige sind so atmosphärisch wie Konamis und Climax‘ neuestes Meisterwerk. Bleibt zu hoffen, dass sich das Spiel gut verkauft und auch andere Teile der Serie eine Neuinterpretation erhalten. Vielleicht wird das Konzept ja auch auf PC, PlayStation 3 und Xbox 360 portiert – wünschenswert wäre das auf jeden Fall. Wenn es nämlich eine Sache gibt, die „Silent Hill“ in den letzten Jahren geschadet hat, dann war das die immer stärkere Action-Orientierung. „Silent Hill“ soll aber nicht zu einem zweiten „Resident Evil“ mutieren, sondern auch in Zukunft psychologisch tiefgründigen Grusel bieten.
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| SCREENSHOTS |
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